Maschinenansteuerung als Teil der Planung
CNC im Holzbau wird häufig als Fertigungsthema gesehen. In der Realität ist Maschinenansteuerung vor allem ein Planungs- und Prozess-Thema. Denn die Qualität der Fertigung hängt nicht primär an der Maschine, sondern an der Konsistenz der Datenkette: Modelllogik → Bearbeitungsdefinition → Ausgabe → Prüfung → Fertigung → Montage.
Maschinenansteuerung bedeutet deshalb nicht “Datei exportieren”, sondern: die Planung so aufzubauen, dass aus ihr sichere, reproduzierbare Fertigungsdaten entstehen, für Holz, und je nach Projekt auch für Stahl- oder Verbundkomponenten.
Neubau: Vorfertigung als System
Im Neubau lassen sich CNC-gestützte Prozesse besonders konsequent nutzen, weil Geometrie und System definiert sind. Typische Vorteile:
wiederholbare Elementlogik,
klare Bearbeitungsstandards,
definierte Toleranzen,
planbare Montagefolgen.
Damit CNC seine Wirkung entfalten kann, müssen im Modell festgelegt sein:
Bauteildefinitionen und Layerlogik,
Bearbeitungsarten (Fräsungen, Bohrungen, Taschen, Ausklinkungen),
Verbindungsmittelstrategie,
Kanten- und Nullpunktlogik,
Material- und Plattenlogik (für Plattenbearbeitung, Elementbrücken).
Hier zeigt sich: Maschinenansteuerung ist ein Ergebnis sauberer Planung.
Weiterbauen: Passgenauigkeit trotz unregelmäßiger Ausgangslage
Im Bestand wirken CNC-Prozesse zunächst kontraintuitiv: “Wie soll Vorfertigung funktionieren, wenn nichts gerade ist?” Genau hier liegt der eigentliche Vorteil. Wenn die reale Geometrie (z. B. aus digitalem Aufmaß) in ein belastbares Modell überführt wird, kann CNC sogar in unregelmäßigen Situationen die Ausführung sicherer machen:
Ausgleichsbauteile werden gezielt geplant, statt auf der Baustelle improvisiert.
Variable Anschlüsse werden konstruktiv abgebildet.
Montagefolgen werden planbar, weil Bauteile “passen”, bevor sie auf die Baustelle kommen.
Wichtig ist dabei ein bewusstes Toleranzmanagement: CNC ist präzise, aber der Bestand ist es nicht. Planung muss deshalb definieren, wo Präzision erforderlich ist und wo Ausgleich vorgesehen wird.
Maschinenlandschaft: gleiche Idee, unterschiedliche Regeln
CNC ist nicht gleich CNC. Unterschiedliche Maschinentypen erfordern unterschiedliche Logik:
Abbundmaschinen (Stabware),
Plattenbearbeitungszentren,
Multifunktionsbrücken (Elementfertigung),
5-Achs-Systeme,
ggf. Stahlbearbeitung in hybriden Projekten.
Daraus ergeben sich Anforderungen an:
Datenformate und Postprozessoren,
Werkzeugbibliotheken,
Bearbeitungsrichtungen und Zugänglichkeiten,
Nullpunkte, Kantenbezüge, Maschinenlimits.
Eine entscheidende Leistung in der Praxis ist daher oft die Prüfung und Anpassung: Maschinendaten sind nur dann wertvoll, wenn sie zum realen Fertigungssetup des ausführenden Betriebs passen.
Prüfung statt Blindflug: Maschinendaten als QS-Schritt
Fehler in Maschinendaten sind teuer, nicht nur wegen Material, sondern wegen Zeit und Folgekosten auf der Baustelle. Deshalb gehört zur Maschinenansteuerung immer auch ein Prüfprozess:
Plausibilisierung der Bearbeitungen,
Kollisionsprüfung (Werkzeugwege / Bauteilkollisionen),
Kontrolle von Bauteilorientierung und Nullpunkten,
Abgleich mit Montage- und Anschlusslogik,
Testausgaben / Simulationen, wo sinnvoll.
Gerade bei Schnittstellen (Holz–Stahl, Holz–Massiv, Alt–Neu) ist diese Prüfung ein entscheidender Stabilitätsfaktor.
Outputs: Was Kunden bekommen (und warum das die Baustelle verändert)
Typische Liefergegenstände im Kontext Maschinenansteuerung:
maschinenfähige Daten (projekt- und kundenspezifisch),
Stück-/Materiallisten (Holz/Platten/Verbindungsmittel),
Fertigungsunterlagen (Werkstattpläne, Elementpläne),
Montageinformationen (Reihenfolge, Greifpunkte, Ident-Logik),
optional: Ladeplanung nach Montagereihenfolge.
Die Wirkung ist messbar im Prozess: weniger Nacharbeit, weniger improvisierte Anpassung, höhere Wiederholgenauigkeit, besonders dann, wenn das Ganze nicht als Einzelleistung, sondern als Teil einer durchgängigen Kette umgesetzt wird.